Viel grünes Potenzial im Odenwald

Michelstadt. – In der vergangenen Woche habe ich mich auf meiner Sommertour auf die Suche nach den „grünen Perlen“ des Odenwalds begeben und dabei entdeckt, dass im Odenwald vielerorts nachhaltige und grüne Ideen umgesetzt werden. Den Auftakt meiner Sommertour bildete ein Besuch bei der Biowert GmbH ins Brensbach. In der sogenannten Grasfabrik werden aus regional angebautem Wiesengras innovative und umweltverträgliche Materialien, wie AgriPlast gefertigt. Die Gäste dieses Termins waren besonders fasziniert davon, wie die Biowert GmbH das Kreislauf-Prinzip in ihrem Unternehmen umsetzt. Den Energiebedarf für die Produktion deckt das Unternehmen nämlich aus der Gewinnung von Biogas und Abwärme aus dem eigenen Biogasreaktor.

Ich bin überzeugt: Der Odenwald braucht Unternehmen mit innovativen und nachhaltigen Ideen mit regionalem Bezug. Biowert geht hier mit gutem Beispiel voran: In seiner weltweit einzigartigen Grasfabrik wird aus Odenwälder Wiesengras ein umweltverträglicher Kunststoff gefertigt und durch die konsequente Anwendung des Kreislaufprinzips werden gleichzeitig Ressourcen geschont sowie keinerlei Abwässer oder Abfall erzeugt. Anschließend ging es zu Fuß durch ich den Odenwald weiter. Mit der Geschäftsführung des Geo-Naturparks Frau Fey und Herrn Babist, der im Geopark für Geopunkt – und Lehrpfadtafeln sowie Schulprojekte verantwortlich ist, erkundete ich den Geopark-Pfad Bergbaulandschaft Reichelsheim. Hier wurde einmal mehr klar, welche Schätze der Odenwald birgt. Der Odenwald als Teil des Geo-Naturparks Bergstraße-Odenwald genießt internationales Ansehen und trägt die Auszeichnung „UNESCO Global Geopark“. Auf dem Geopark-Pfad Bergbaulandschaft Reichelsheim erfährt man alles über die abwechslungsreiche Geologie und die rund 1200-jährige Bergbaugeschichte dieses Teils des Odenwalds.

Rainer Feick von der Herrnmühle in Reichelsheim machte mich am Mittwoch mit der Verarbeitung des Nibelungenkorns vertraut. Als „Nibelungenkorn“ werden die Urgetreide Emmer, Einkorn und Dinkel, die im Odenwald angebaut werden, bezeichnet. Das Getreide wird ohne Chemie von einer Odenwälder Erzeugergemeinschaft angebaut, in der Mühle zu Vollkornmehl verarbeitet und an Bäcker der Region geliefert. Regionaler Anbau und Verarbeitung des Nibelungenkorns erfolgt in einer Kooperation aus Landwirten, Mühle und Wasserschutzberatung. Kooperationen wie man sie beim chemiefreien Anbau und der Verarbeitung des „Nibelungenkorns“ vorfindet, wo die Zusammenarbeit von Landwirten, Mühle und Wasserschutzberatung dazu beitragen, ein Produkt in der Region für die Region zu schaffen, können meiner Meinung nach eine Brücke von der konventionellen Landwirtschaft hin zum ökologischen Landbau schlagen, wie es auch in der Ökomodellregion angestrebt wird. Insbesondere die Tatsache, dass der Anbau von Nibelungenkorn bei einem Landwirt bereits dazu geführt hat, auf ökologische Landwirtschaft umzustellen, gibt mir Grund zu dieser Annahme. Meiner Einschätzung nach ist die Umstellung auf eine ökologische Lebensmittelproduktion eine der wichtigsten Stellschrauben im Kampf gegen die Klimakrise und für mehr Umweltschutz.

Glückliche Hühner vom Hof am Mühlgrund

Der Besuch des Hofes am Mühlgrund im Mossautal war deshalb am Freitag ein wichtiger Termin auf meiner Reise durch den Odenwald. Der Junglandwirt Alexander Kern betreibt hier Solidarische Landwirtschaft nach Bioland-Kriterien. 2018 hat Kern dort als Existenzgründer angefangen und so der Landwirtschaft wieder Leben eingehaucht, nachdem der Hof 30 Jahre lang stillgelegen hat. Der Junglandwirt zieht Weidehähnchen und Gockel groß und hält Zweinutzungshühner in einem Mobilstall. „Zweinutzung“ bedeutet, dass Henne und Hahn jeweils einen Nutzen haben und wirtschaftlich eigenständig sind. Auf diese Weise kann darauf verzichtet werden, dass männliche Küken geschreddert oder vergast werden, wie es bei konventioneller Hühnerhaltung üblich ist. Unter den zahlreichen Gästen dieses Termins war auch der Mossautaler Bürgermeister Bareis. Darüber wie sich die Energiewende im Odenwaldkreis bisher gestaltet, wollte ich bei einem Besuch des Hainhaus-Park für grüne Technologien mehr erfahren. Dabei handelt es sich um eine Sonderbaufläche für regenerative Energien, nachwachsende Rohstoffe und Energieeffizienz. Herrn Kuhn von der Geschäftsführung der OREG leitete eine Führung durch den Park, und es bot sich die Gelegenheit, die Windräder und die Photovoltaikanlage des Parks einmal aus der Nähe zu betrachten. Als Sprecher für Waldpolitik der Fraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im hessischen Landtag durfte für mich eine Waldbegehung auf meiner Sommertour durch den Odenwald natürlich nicht fehlen. Im Zuge der FSC-Zertifizierung des hessischen Staatsforstes wurden auf 10% des Waldes Stilllegungsflächen geschaffen, wo sich die Natur ungestört entwickeln kann und jegliche Bewirtschaftung untersagt ist. Der Forstamtsleiter des Forstamtes Michelstadt, Herr Mecke, führte durch den Wald bei Mümling-Crumbach zu einer solchen Stilllegungsfläche. Besonders der Wald ist in letzter Zeit durch die Klimakrise unter Druck geraten. Gleichzeitig ist der Wald als CO²-Speicher einer der wichtigsten Verbündeten im Kampf gegen die fortschreitenden, dramatischen Klimaveränderungen. Durch den Beschluss der hessischen Landesregierung, den Staatswald fortan nach FSC-Kriterien zu bewirtschaften und auf 10 % der Fläche des Staatsforstes keine Bewirtschaftung mehr zuzulassen, wird ein wichtiger Beitrag für die natürliche Waldentwicklung und damit auch für den Klimaschutz geleistet.

Stilllegungsfläche im Staatswald

An dieser Stelle möchte ich mich noch einmal bei alle Teilnehmer*innen für ihr Interesse an meiner Sommertour bedanken. Es war eine spannende Woche und ich freue mich schon auf die Tour im nächsten Jahr!

Verwandte Artikel

Kommentar verfassen

Artikel kommentieren


* Pflichtfeld